Katharina Hohenwarter



Master Sommersemester 2017
Katharina Hohenwarter
Projektübung (Studio 2)
Uli Tischler
Typology: CultureRecreation

Ein Tal im Süden der Vorarlberger Alpen — prädestiniert für Winter- und Sommersport, alles was den Berg hinauf- und hinuntergeht. Doch auch hier hinterlassen die Spuren unserer Zeit Kratzer im Bild des idyllischen Bergdorfs. Immer mehr — vor allem junge Menschen — zieht es vom Land in die Stadt. Die Arbeit im Tal ist knapp und unattraktiv, Landwirtschaft kaum rentabel.

Was viele Menschen hier hält — beziehungsweise hierherbringt — ist der Tourismus. Er wird zum Zugpferd einer ganzen Region, einem eigenen Kosmos schwankend zwischen den Extremen: Der von Wintersportlern überschwemmten Hochsaison und den verwaisten Dörfern der Zwischensaison. In diesem wechselhaften Zyklus bedarf es Konstanten, die nicht nur der Touristenschar einen Anziehungspunkt bieten, sondern auch den Einheimischen bestehen bleiben.

Solch eine neue Konstante soll das ehemalige Bezirksgericht als zukünftiges Badehaus sein. Es bildet, komplettiert durch ein ganzjährig bespieltes Kaffeehaus und zwei Körper, ohne funktional festgelegte Raumdisposition, ein Ensemble. Die hinzugefügten Volume verhindern das ausfließen des Platzes und bilden gleichzeitig ein neues Zentrum. Diese Gliederung des Raums ermöglicht neue Arten der Durchwegung, eine Öffnung in alle Richtungen und dennoch intime, differenzierte Platzsituationen.

Das Badehaus bildet einen Ruhepol im Dorfgefüge, dessen Nutzung saison- und wetterunabhängig ist und das „echt erleben“ und besinnen ins Zentrum rückt. Im Kontrast dazu schaffen das Kaffeehaus und die nutzungsflexiblen Volumina eine muntere Belebung des Raums und senken die Schwelle der Zugänglichkeit.

Gericht wird Badehaus — Seit Bestehen hat das Gerichtsgebäude große Bedeutung auf soziokultureller und gesellschaftlicher Ebene für den Ort Schruns, wie auch für die Region Montafon. Einerseits wegen dessen Funktion, andererseits aufgrund der markanten Erscheinung im Dorfgefüge. Das Bild, des massiven Körpers mit kleinen Öffnungen und ausladendem Dach, sollte bestehen bleiben, um den Charakter des Hauses und somit dessen Ausstrahlung zu erhalten. Einzig Oberfläche und Öffnungen werden verändert beziehungsweise erneuert. Wobei Anordnung, Format und Form erhalten blieben.

Das Bild der sanften Veränderung wandelt sich beim Betreten des Badehauses augenblicklich. Ein vollkommen veränderter Kosmos , ein vertikaler, fließender Raum eröffnet sich dem Besucher. Dieser Raum füllt das gesamte Innere aus und verbindet alle Niveaus miteinander. Flächen werden in einzelne Ebenen aufgebrochen, die sich im Raum aufspannen und neue hinzugefügt. Diese Ebenen rotieren um den zentralen Erschließungskern empor, der durch das gesamte Volumen verläuft. Die Bäder und Elemente, welche Sanitär, Büro, Umkleiden usw. aufnehmen, werden auf — oder besser — in diese Ebenen eingefügt. Um dies zu verdeutlichen werden entsprechende Element von den Bestandswänden abgerückt. Durch das Auflösen der klassischen Geschoss-Struktur und das damit verbunden Entstehen von Blickbeziehungen zueinander scheinen die Niveaus im Inneren zu einem Gefüge zusammenzuwachsen.


Institut für Gebäudelehre
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