zusammen alt werden – gemeinsam jung bleiben • generationenübergreifendes Miteinander

Studienjahr 2016/17
Karin Krenn
Masterarbeit
Uli Tischler
Typology: Housing

In einer Gesellschaft, die von Individualisierung und der Auflösung klassischer gesellschaftlicher Grundmuster, wie beispielsweise dem Zerfall der Kernfamilie, geprägt ist, kommt es immer öfter zu einer Singularisierung des Wohnens bei gleichzeitiger Pluralisierung der Lebensstile. Haushalte unterliegen einem Schrumpfungsprozess und ein immer größerer Teil der Menschen wohnt alleine. Dieses freiwillige oder unfreiwillige Alleinwohnen stellt vor allem im Alter ein Problem dar, denn mit verkleinertem Aktionsradius, geringerer Mobilität oder eingeschränkten Fähigkeiten wächst leider auch die Gefahr der Vereinsamung. Zudem sind alltägliche Begegnungen zwischen Jung und Alt nur noch selten geworden. Eine Ursache für diese Entwicklung ist unter anderem der kommerzielle Wohnbau, der sich heute häufig und fast ausschließlich an der erwerbstätigen Gruppe jüngerer, gesunder Menschen orientiert und damit Bedürfnisse von Älteren als auch von Kindern vernachlässigt. Neue Wohnsiedlungen, deren Wohneinheiten speziell für Kleinfamilien ausgerichtet sind, lassen kaum noch eine Altersdurchmischung zu. Für die Pflege und Betreuung Angehöriger sehen sich immer weniger Verwandte direkt verantwortlich, vielmehr gibt es eine Tendenz, alte Menschen in großen Altenbetreuungskomplexen unterzubringen und damit vom gesellschaftlichen Leben zu separieren. Funktionierende Generationenbeziehungen stellen jedoch eine wichtige gesellschaftliche Ressource dar. Nun sollen in der Masterarbeit Lösungsansätze gefunden werden, was beispielsweise von früheren Arten des Zusammenlebens in Mehrgenerationenhäusern auf heutige architektonische Entwurfsaufgaben übertragen werden könnte. Wie wäre es möglich ein Zeichen gegen das gesellschaftliche Auseinanderdriften der Generationen zu setzen? Wie kann eine bauliche Aufgabe eine Synergie von Jung und Alt verkörpern? Wie können Jung und Alt gemeinsam wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden? Aus der Überzeugung heraus, dass es bei der Herstellung neuer Wohnmöglichkeiten für die äußerst heterogene Gruppe älterer Menschen neben der Barrierefreiheit auch um ein gutes umgebendes soziales Netzwerk familiärer, freundschaftlicher und nachbarschaftlicher Kontakte geht, wurde ein generationenübergreifendes Raumprogramm konzipiert, das Betreutes Wohnen, barrierefreies Wohnen und eine Kinderbetreuungseinrichtung miteinander in einem Gebäude kombiniert. Auf Basis des Raumprogrammes wurde eine Bedarfsanalyse für Steiermark erstellt, durch welche der Bauplatz für die baulich umgesetzte Interpretation der Aufgabenstellung hervorging. Gebäudetypologisch wurden zwei an die Umgebung angepasste Hofhäuser als Sinnbild von Gemeinschaft entwickelt, in deren Schnittstelle und Zentrum die Gemeinschaftsbereiche liegen. Die geschlossene, breite Laubengangerschließung wird zum Ausdruck der Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Nutzerguppen. Private Rückzugsmöglichkeiten stellen einen unabdingbaren Teil einer funktionierenden Gemeinschaft dar. Das Resultat des Entwurfes soll keine sozialromantische Vorstellung von aufgezwungener Gemeinsamkeit sein, sondern lediglich durch architektonische Mittel die Möglichkeiten für zwanglose Annäherungen und Kooperationen zwischen den Nutzern und Nutzerinnen unterschiedlicher Generationen bieten.


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