Wohnkonzept Linz • Potenziale einer innerstädtischen, zukunftsorientierten Nachverdichtung



Studienjahr 2018/19
Marlene Scheuringer
Masterarbeit
Hans Gangoly
Typology: Housing

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit einer konkreten Blockrandbebauung im Zentrum von Linz. Die Großzügigkeit seiner Dimensionierung, die innerstädtische Situierung und der weite Innenhof, der von Garagen und Autos in Beschlag genommen ist, sind charakteristisch für diese Bebauung und bieten großes Potential für eine Nachverdichtung. Mehr Dichte in den Städten wird immer dringlicher, um den enormen Zuwachs an städtischer Bevölkerung zu kompensieren, den ungehemmten Landverbrauch, und die Verschwendung von Ressourcen, angesichts des immer weiter fort­schreitenden Klimawandels, einzudämmen.

Die nachhaltige Planung der Linzer Stadterweiterung betrachtet nicht das einzelne Gebäude und seine Parzellierung, sondern den gesamten Block und sein Quartier als städtebauliche Einheit. Diese Herangehensweise der gesamtheitlichen Planung lässt eine Idee von Stadt entstehen, die auf infrastrukturellen Synergien zwischen mehreren Gebäuden und in weiterer Folge auch Blöcken beruht.

Anhand einer Analyse wurde die bestehende Struktur eingehend betrachtet und die für diesen speziellen Ort erträgliche Nachverdichtung erarbeitet. Durch das Gegenüberstellen und Vergleichen von mehreren Varianten erfolgte schließlich ein langsames Herantasten an den Entwurf. Dabei stand nicht die Quantität an baulicher Masse im Vordergrund, sondern das qualitative Maximum von räumlichen, sozialen und atmosphärischen Aspekten der Dichte. Eine Vielfalt an zusätzlichen öffentlichen Flächen sorgt an dieser Stelle für eine hohe Akzeptanz gegenüber der zusätzlichen Gebäudemassen, und vor allem aber auch für ein lebendigeres, lebenswertes und dynamisches Wohnquartier, in dem auch die Dichte an Ereignissen und damit die Lebens­qualität stark zunimmt.
Da der starke Bevölkerungszuwachs in Linz dringend neuen Wohnraum erfordert, war die Funktion des Nachverdichtungsprojektes schnell klar: Ein Wohnquar­tier im Zentrum der Stadt. Viel wichtiger und spannender war die drauffolgende Frage: Wie sieht das Wohnen des 21. Jahrhunderts aus, in einer Zeit, in der die Menschen immer isolierter leben anstatt in einer direkten, sozialen Gemeinschaft? – In einer Zeit, in der der Austausch über soziale Netzwerke immer intensiver wird und die direkte Kommunikation nachlässt? Die fortschreitende Technologisierung und verstärkte Digitalisierung rückt den Menschen immer weiter aus dem Zentrum des Lebens. Diese Entwicklungen drohen nicht nur viele unserer Arbeitsplätze zu ersetzen, sondern auch die menschlichen Fähigkeiten überflüssig zu machen. Wie geht man nun mit diesen Entwicklungen um und inwieweit kann Archi­tektur im Bereich des Wohnungsbaus einen Rahmen schaffen, der das “echte” Leben und die Bedürfnisse seiner Bürger in den Vordergrund rückt?

Ein weiterer Aspekt der Arbeit, und gleichzeitig eine wichtige Voraussetzung von atmosphärischer Dichte, ist die gute soziale Durchmischung des Wohnquartiers. Es soll ein Wohnraum für Alle entstehen, egal welcher sozialer Schicht, Herkunft oder Altersgruppe der jeweils Einzelne entstammt. Ein Angebot an unterschiedlichen Wohnungstypen ist hierfür ausschlaggebend: Wohnen in der Gemeinschaft, Wohnen mit der Familie oder dem Lebenspartner, Wohnen ganz allein; mit hohem Anspruch oder minimalem Budget. Das Wohnquartier erfährt durch das Unterschiedliche im Nebeneinander einen qualitativen Zugewinn.

Auf die nun erwähnten Themen versucht das Linzer Wohnkonzept architektonische Antworten zu finden und die Potentiale der innerstädtischen und zukunftsorientierten Nachverdichtung aufzuzeigen.


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