Wildbad Innichen • Anknüpfung an den Verfall

Studienjahr 2013/14
Nadia Degasperi
Masterarbeit
Andreas Lechner
Typology: Recreation

Die Entwicklung des Bautypus Hotel steht in direktem Zusammenhang mit dem ersten Aufkommen von Tourismus. Mussten Reisende in vortouristischer Zeit noch in einfachen Herbergen übernachten, so entwickelten sich mit dem Aufkommen des Tourismus die ersten Hotels. Die Zunahme an Reisenden im 18.Jh. trieb die Entwicklung dieses neuen Bautypus rasant voran. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachte die Hochphase des Adels und des Bürgertums erste palastartige Grandhotels hervor. Der ausschweifende Lebensstil der adeligen Gesellschaft spiegelte sich in der extravaganten Architektur dieser Hotels wider. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs und die damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Umbrüche und neu gezogenen Grenzen beendeten jedoch die Ära der Grandhotels. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden touristische Aktivitäten einer breiten Schicht der Gesellschaft möglich, die Hotels verloren ihren exklusiven Charakter und wurden zu Beherbergungsbetrieben, deren Funktion sich auf die Regeneration beschränkte. Bis zum heutigen Tag haben sich aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse der Touristen eine Vielzahl von Hoteltypologien entwickelt. In Innichen, Südtirol, entstand um die Wende zum 20. Jahrhundert aus einem einfachen „Bauernbadl“ das Grand Hotel Wildbad. Durch die Bekanntheit der Heilquellen und der günstigen Anbindung an die Südbahn wurde das Wildbad zum Treffpunkt der europäischen Oberschicht. Der Krieg und der Anschluss Südtirols an Italien besiegelten das Ende des Grand Hotels. Das Wildbad wurde dem Verfall überlassen. Diese Masterarbeit knüpft an den voranschreitenden Verfall des Wildbades an. Der Ort und der historische Kontext verlangen nach einem den Verfall miteinbeziehenden Entwurf. Der Verfall wird zum zentralen architektonischen Element, die Spuren der Zeit werden nicht verleugnet, sondern werden zum Ausgangspunkt einer neuen Bespielung des Wildbades.


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