Bei der Schilleroper

Studienjahr 2014/15
Maximilian Nagl
Masterarbeit
Hans Gangoly
Typology: Culture

In Hamburg, St. Pauli, zwischen der Sternschanze, dem Karoviertel und dem Heiligengeistfeld schläft, geborgen in einem Ring aus Mietshäusern und alten Werkshallen die Schilleroper ihren Dornröschenschlaf. Unter verdreckter Dachpappe und kaputten Fenstern liegt ein kulturelles Relikt, ein historischer Stahlbau: die Rotunde des Zirkus Busch. Paul Busch ließ an dieser Stelle, Ende des 19. Jahrhunderts, seinen Zirkus Busch bauen. Angelegt an ein Zirkuszelt beherbergte das Stahlgerüst bis 1899 die Manege für die prunkvoll inszenierten Vorstellungen. Anfang des 20. Jahrhunderts zog ein Theater in die Rotunde und benannte sich nach dem sich jährenden Todestag Friedrich Schillers „Schiller-Theater“. In den 20er Jahren wurde sie zur „Schilleroper“ und bot unter anderem Hans Albers die Bühne, hier seine ersten Schritte auf die Bretter zu spielen, bis 1943 der Krieg ausbrach. Die „Schilleroper“ war in Folge Lager für Kriegsgefangene, ein Hotel für Fernfahrer und Parkplatz für LKWs. Ihre Rotunde steht seit den 1970er Jahren leer. Angrenzende Bauten dienten noch Jahrzehnte lang Restaurants und Musikclubs als Heimat, ehe sie 2006 endgültig die Tore schliessen mussten. Die Schilleroper war dem Verfall ausgesetzt, bis es 2014, nach über 60 Jahren Uneinigkeit recht überraschend zum Verkauf des Grundstückes kam. Es gibt also Hoffnung, dass die Schilleroper in Zukunft wieder mehr ist als ein Denkmal des Verfalles und Ruine des Glanzes, den sie vor 100 Jahren austrahlte. Genau an dieser Stelle möchte ich mit meiner Masterarbeit ansetzen. Es ist ein Glücksfall, dass ein derart historisches Gebäude im Herzen Hamburgs überleben konnte. Es ist mir ein Anliegen, den Ort zu erhalten und würdevoll und zeitgemäß zu reanimieren. Das Herzstück meines Entwurfes bildet das im Kern der Rotunde erhaltene Stahlgerüst. Um dieses herum entsteht eine ortsbetonte und aufs wesentliche reduzierte, puristische Architektur. Zur Reaktivierung des Geländes wird dort täglich außer Sonntags ein Markt stattfinden. Die Schilleroper und der umliegende Platz bilden seit jeher ein kulturelles Zentrum für das angrenzende Viertel und seine Bewohner. Sinn des Entwurfes soll es sein, diesen Bezug und die öffentliche Nutzung des Areales hervorzuheben und somit der Schilleroper seine historische Verantwortung und Rolle als kulturelles und soziales „Zentrum“ wiederzugeben.


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