Architektur und Psychiatrie im Wandel • Der Einfluss von Architektur auf die Stigmatisierung psychiatrischer Einrichtungen



Studienjahr 2017/18
Manuel Draschl
Masterarbeit
Hans Gangoly
Typology: Healthcare

Repräsentativen epidemiologischen Studien und Berichten der WHO zufolge, ist jedes Jahr ein Drittel der Bevölkerung in der Europäischen Union von mindestens einer Diagnose aus dem Bereich der psychischen und Verhaltensstörungen betroffen. Die Prävalenz steigt und es wird davon ausgegangen, dass in den nächsten zwanzig Jahren Depressionen auf Platz zwei der am häufigsten gestellten Diagnosen weltweit stehen werden. Ob häufigere Diagnosen aufgrund eines offeneren Umgangs der Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen und gezieltere medizinische Untersuchungsmethoden dabei eine Rolle spielen, oder die Anzahl der Betroffenen tatsächlich über die Jahre drastisch angestiegen ist, wird in Studien kontrovers diskutiert. Faktum ist, dass der Versorgungsbedarf weiter steigt und für die Zukunft auch ausreichend gedeckt werden muss. Trotz Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit ist das Bild der Psychiatrie auch heute noch negativ behaftet und wird häufig mit Angst, Gewalt und Unheilbarkeit assoziiert. Die Stigmatisierung von Betroffenen stellt ein großes Problem dar und rückt deren spezielle Bedürfnisse oft in den Hintergrund. Sie gilt als wesentlicher Hemmfaktor für eine erfolgreiche Therapie und einen schnellen Genesungsprozess. Die Vorurteile wirken sich nicht nur auf die Erkrankten aus, sondern betreffen auch Institutionen zur Behandlung psychischer Leiden. So ist die Schwelle, eine Einrichtung zu betreten und Hilfe in Anspruch zu nehmen, nach wie vor sehr hoch und für viele unüberwindbar. Aus diesem Grund sind neue, integrative Konzepte zur Versorgung von psychisch Kranken noch mehr gefordert. Neben politischen, gesundheitsökonomischen und sozialen Aspekten spielen in diesem Zusammenhang auch bauliche Maßnahmen eine wesentliche Rolle. Diese Arbeit unternimmt den Versuch, neue Impulse für die Planung von Psychiatriebauten zu geben. Es sollen Möglichkeiten der Architektur aufgezeigt werden, welche der Stigmatisierung und Ausgrenzung entgegenwirken können. Das Spannungsfeld zwischen den neuen therapeutischen Erkenntnissen der Psychiatrie und den grundlegenden Standards der Krankenhausarchitektur birgt eine große planerische Herausforderung. Es wird deutlich, dass man sich von den Planungsgrundlagen allgemeiner Kliniken in vielen Bereichen lösen muss, um den speziellen Anforderungen der modernen Psychiatrie gerecht zu werden. Ziel dieser Arbeit ist es, das Bewusstsein und die Wahrnehmung für diese Thematik zu schärfen und damit selbst einen Beitrag zur Entstigmatisierung zu leisten.


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