„Das geschlossene Bild ist eine Fiktion, denn jede Einzelheit sprengt, durchdacht, den Rahmen.“ ¹
In diesem Entwurfsstudio beschäftigen wir uns mit dem Gebäudebestand der ehemaligen Destillerie Bauer im Grazer Bezirk Gries. Das heute leerstehende Ensemble ist ein vielschichtiges Konglomerat aus unterschiedlichen Gebäuden und Strukturen, die über einen langen Zeitraum aneinander, übereinander und ineinander gebaut wurden. Als Relikt der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts in der Grazer Vorstadt ist der Komplex zugleich Träger von Geschichte und Projektionsfläche für zukünftige architektonische Entwicklungen.
Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht der Umgang mit dem Bestand als Collage aus Fragmenten und Bruchstücken. Statt eines Entwurfs als geschlossene Ganzheitsidee rücken Montage, Assemblage, Umbau und Weiterbauen in den Fokus. Das Unfertige wird dabei nicht als Mangel verstanden, sondern als Qualität: offen und veränderbar.
Methodisch arbeitet das Studio bewusst offen und experimentell. Kollektives Arbeiten bildet die Grundlage für die Überlagerung unterschiedlicher Sichtweisen, widersprüchlicher Lesarten und produktiver Missverständnisse. Text wird als Entwurfswerkzeug eingesetzt, Fotografie als Mittel der Analyse, Modelle dienen als Denkgeräte. Kein Medium dient der bloßen Illustration – alles ist Entwurf.
¹Czech, Hermann: Zur Abwechslung, in: ders.: Zur Abwechslung. Ausgewählte Schriften zur Architektur, Wien 1996, 76-79, hier: 77
Fotografie: Tom Biela
Vorstellung: Donnerstag, 26.02.2026, 9:00 Uhr, HS B, Kopernikusgasse 24, 3.Obergeschoss (Neue Technik)
Anmeldung: Freitag, 27.02.2026, 12:00 Uhr bis 27.02.2026, 23:59 Uhr (Achtung: Anmeldung über die LV 100.007 Vertiefungsmodule: Anmeldung)